Jahresbericht 1999

Vorwort
Liebe Leserin, lieber Leser!

Unser „Baby“ STERN-TALER ist nun nach zweijährigem Bestehen zu einem ausgewachsenen, kraftvollen und aktiven Verein herangewachsen – mittlerweile unterstützen uns 30 aktive und passive Mitglieder, fünf mehr als im Gründungsjahr!

Die Idee, Kindern mit der Erfüllung von Herzenswünschen zu helfen, kommt bei vielen Menschen gut an und stärkt uns in unseren Aktivitäten.

Wir freuen uns, durch Ihre Unterstützung zu einer festen Einrichtung in Krankenhäusern und Heilzentren geworden zu sein. Durch den persönlichen Kontakt zu den Ärzten und dem Pflegepersonal hat sich ein vertrauensvolles Verhältnis entwickelt, so daß wir vielen Kindern ein wenig Lebensfreude bereiten konnten.

Auch für das Jahr 1999 haben wir Ihnen einen detaillierten Bericht erstellt, aus dem Sie alle Aktivitäten des Vereins entnehmen können und sich mit uns über die strahlenden Kinderaugen freuen können!

Vielen Dank! Ihr STERN-TALER-Team

Wer steht hinter STERN-TALER?

Hinter dem Verein stehen die Gründungsmitglieder Susanne Dahncke-Köster, Charlotte  Engel-Steimle, Heidi Helsper und 30 Vereinsmitglieder. Seit der Mitgliederversammlung vom 04. November 1999 haben wir ein weiteres Vorstandsmitglied, Kathrin Peters.

Mit wem arbeitet STERN-TALER zusammen?

Mit dem Universitätskrankenhaus Hamburg Eppendorf:
Die Kinderschwestern vermitteln uns mit Unterstützung der Ärzte die STERN-TALER-Kinder und deren Wünsche. Die kleinen Patienten kommen überwiegend aus Station 5 und der Kinderdialyse. Bitte beachten Sie hierzu auch den Brief von Prof.Dr.R.P. Willig in der Anlage 1.
 
Mit dem Werner-Otto-Institut Hamburg Alsterdorf:
Das Werner-Otto-Institut ist ein sozialpädiatrisches Zentrum, in dem viele diagnostische und therapeutische Anwendungen unter einem Dach ambulant und stationär durchgeführt werden. Die Kontakte zu den Kindern werden von den Therapeuten hergestellt, bitte beachten Sie auch den Brief von Frau Cozenza (Anlage 2).

Mit der Kinderärztin Susanne Bischoff, Ahrensburg:
Durch den persönlichen Kontakt zu der Kinderärztin ist es uns auch möglich, im direkten Umfeld zu helfen.


Mit dem  Katholischen Kinderkrankenhaus Wilhelmstift in Hamburg Rahlstedt:
Die Verbindung zu diesem Kinderkrankenhaus haben wir 1999 aufgebaut. Anfangs hatten wir die Gelegenheit, an einem Schwestern-meeting teilzunehmen und konnten dabei unsere Idee übermitteln. Seit diesem ersten Treffen besteht ein intensiver zu dem Pflegepersonal, dies beschreibt auch der Brief einer Schwester (siehe Anlage 3).

Mit der Kurklinik Bad Bramstedt:
Die Kurklinik Bad Bramstedt besteht aus einer Rheumaklinik und einer Psychosomatischen Klinik. Hier arbeiten wir direkt mit dem Direktorium zusammen, das uns ermöglichte, unsere erste größere STERN-TALER-Aktion zu realisieren.

Welchen Kindern hat STERN-TALER geholfen?
 
„Urthe“
Urthe ist ein 10-jähriges Mädchen, das Zeit ihres Lebens sehr oft im Krankenhaus war. Ihr Magen-Darm-Trakt hatte sich nicht vollständig entwickelt. Sie wurde künstlich ernährt und war in ihrer Entwicklung weit zurück.

Urthe wünschte sich sehnsüchtig eine lebendige Schildkröte, sie hatte schon um die 50 Stoff- und Plastikschildkröten gesammelt. Die Eltern konnten ihr diesen Wunsch aus finanziellen Gründen und wegen des Artenschutzes in der EU nicht erfüllen.

STERN-TALER schenkte Urthe zwei russische Schildkröten (fallen nicht unter den Artenschutz) mitsamt Terrarium, Heiz- und Lichtgeräten etc.. Die Freude war riesig groß, es wurde gefilmt, geknipst und gefeiert, Urthe war sehr glücklich.

Urthe  starb 2 Monate später, ihre Familie pflegt die Schildkröten in Angedenken an sie.

 „Sascha“
Sascha (der Bruder von Juri, einem STERN-TALER-Kind aus dem Jahr 1998) hat Kinderlähmung. Er ist ein charmanter Jugendlicher im Alter von 16 Jahren und sein Lebensmittelpunkt ist die Musik. Gern hört er Elvis und „Russischen Rock“.

Im Jugendzentrum Steilshoop spielt Sascha in einer Jugendband E-Gitarre. Er benutzt dazu ein vom Jugendzentrum geliehenes Instrument. Sein größter Wunsch war eine eigene E-Gitarre, mit der er sich seinen Traum - als Musiker des Russischen Rocks auch anderswo Konzerte geben zu können -  nach und nach erfüllen kann.
STERN-TALER überreichte Sascha bei einem Konzert im Haus der Jugend Steilshoop eine neue E-Gitarre. Dabei erlebten wir, mit welcher Leidenschaft und Lebenslust Sascha sein Instrument spielt und russisch singt. Die ganze Band, die Familie und viele Freunde freuten sich riesig mit Sascha.

„Murat“
Murat wurde bereits im Jahresbericht 1998 vorgestellt. Dieser 22-jährige junge Mann wird aufgrund seiner Krankheit – einer Stoffwechselerkrankung – in der Kinderstation des UKE betreut. Seinen Traum – einmal Amerika kennenzulernen – konnten wir ihm nicht erfüllen, da dies sein Gesundheitszustand Ende des letzten Jahres nicht zuließ.

Sein großes Interesse für fremde Länder und Kulturen brachte uns auf die Idee, Murat durch einen PC und einen Internet-Anschluß eine „virtuelle Reise“ durch die Welt zu ermöglichen.

STERN-TALER lieferte einen internetfähigen PC, legte den Anschluß und installierte alle notwendigen Programme, so daß Murat heute mit Freude mit Menschen mit ähnlichen Krankheitsverläufen in der ganzen Welt kommunizieren kann.

 „Angelina“
Angelina ist ein bildhübsches, fröhliches vier Jahre altes Mädchen, das an einer spätinfantilen degenerativen Nervenerkrankung leidet (NLC). Sie wird immer schlechter essen können, das Augenlicht wird zurückgehen, das Sprechen wird schlechter werden und leider vieles mehr.

Angelina brauchte dringend einen Spezialstuhl zum Essen und Spielen, da die Muskelkraft schwach und unkontrolliert ist. Wir besuchten Angelina zu Hause und brachten den Stuhl mit vielen bunten Schleifen mit. Sowohl Angelina als auch ihre Mutter freuten sich sehr.

„Marvin“

Marvin – zwei Jahre alt – wird mit einem Verdacht auf schwerste Kindesmißhandlung im Wilhelmstift betreut. Bei seiner Aufnahme brachte er nur eine Hose, ein T-Shirt, Sommerschuhe und Sommerjacke mit. Seinen Eltern fehlt leider das Interesse, ihr Kind weiter zu betreuen. Im Winter war er nun auf die Kleidungsstücke seiner Station angewiesen, festes Schuhzeug und eine dicke Jacke fehlten jedoch weiterhin.

STERN-TALER mobilisierte im gesamten Freundeskreis eine große Sammelaktion und besuchte Marvin mit einer großen Auswahl an Kleidungsstücken im Wilhelmstift. Ein kleiner Duplo-Laster ließ seine Kinderaugen strahlen, und seine Betreuerinnen auf der Station waren froh, mit ihm nun auch bei kalten Temperatuern und nassem Wetter auf den Spielplatz oder im Schnee spielen zu können.

„Marc“
Marc leidet unter einer spastischen Diparese bei sonst nahezu altersgemäßer Entwicklung. Er ist ein vergnügter  5 –jähriger Junge, ein ehemaliges Frühchen, der mit seiner alleinerziehenden Mutter zusammenlebt. Marc wird im Werner Otto Institut  betreut.

Marc wünschte sich so sehr, Fahrrad zu fahren. So wurde für Marc ein Behindertenfahrrad bestellt.  Die Krankenkasse hat bis auf 200,- DM die Kosten übernommen. Für die Mutter war es ein großes Problem den Eigenanteil von  200,-DM aufzubringen. Wir haben Marc und seine Mutter nachmittags in ihrer Wohnung besucht und ihnen das Geld in Form eines Spielzeugfahrrads und einen Fahrradhelm überreicht. Marc hat uns dort stolz sein Fahrrad präsentiert, mit dem er schon sehr gut umgehen kann. Es war ein lustiger Nachmittag, den wir mit Marc verbracht haben. Am Ende wollte uns Marc nicht mehr gehen lassen. Trotz der widrigen Umstände, in der sich die kleine Familie befindet, haben sie ihre Lebensfreude nicht verloren. Es war ein schönes Gefühl, auch hier ein wenig weiterhelfen zu können.

„Wunderland-Musiktheater in der Rheuma-Klinik Bad-Bramstedt“
In den Osterferien 1999 konnten wir das „Wunderland-Musiktheater“ mit dem Clowni aus Lübeck auf der Kinderstation begrüßen. Für die kleinen Patienten, die zum Teil ihre Ferien dort auf Station verbringen mußten, war das eine tolle Abwechslung! Für ein paar Stunden wurde aus dem Speisesaal eine Schatzinsel und die kleinen Patienten wurden zu Piraten, die auf einem Piratenschiff über die Meere schipperten. Vergessen waren da Rollstuhl oder Krankenbett, strahlende Gesichter sangen und spielten im Wunderland-Musiktheater.

„Hannes“
Hannes ist ein drei Jahre alter Junge. Sein Körper ist bis auf den Windelbereich vollkommen von Verbrennungsnarben gezeichnet. Mit gut einem Jahr kletterte er auf einen Herd und blieb mit seinen Anti-Rutsch-Socken auf der heissen Herdplatte kleben. Er zog sich schwerste Verbrennungen zu (65 %). Nach vielen Hauttransplantationen wurde und wird die Haut nach und nach wieder hergestellt. Später wird Hannes schönheitschirurgisch behandelt werden.

Der kleine Junge wünschte sich ein Dreirad. STERN-TALER erfüllte ihm diesen Wunsch. Mit Freude und Stolz schob Hannes sein neues Rad durch das Wilhelmstift.
 
"Daniel“
Unser bisher weitester Weg zu einem STERN-TALER-Kind führte uns für Daniel nach Husum. Daniels Mutter wurde auf uns aufmerksam, als sie einen Fernsehbericht auf RTL 2 über STERN-TALER sah. In der Reportage konnte sie sehen, wie ein querschnittsgelähmter Junge auf einem extra für ihn umgebauten Kart auf der Kartbahn in Norderstedt selig seine Runden drehte, es war sein größter Traum. Dieser Bericht hat die Mutter sehr berührt und bewegt. Darauf hin meldete sie sich bei uns:

Ihr eigener Sohn Daniel, 8 Jahre, war bis zum sechsten Lebensjahr ein kerngesunder Bursche. Dann kam der Tag, an dem alles anders wurde. Daniel wurde beim Rollschuhlaufen vor dem Haus von einem Auto erfaßt und erlitt schwerste Verletzungen (Brüche, Hirnblutung). Selbst nach langer Rehabilitation ist er körperlich und geistig schwerbehindert, er kann nicht mehr laufen und nicht mehr richtig sprechen.

Ein Gokart war Daniels großer Traum -  eins von dem er nicht runter fallen und unter Aufsicht der Eltern auf dem Hof fahren kann. Obwohl es sich um ein behindertengerechtes Spezialgefährt handelt, war die Krankenkasse nicht bereit, die Kosten zu tragen. Um Daniels Traum von „mehr Mobilität“ zu erfüllen, organisierte STERN-TALER das Gokart und rechtzeitig zu seinem Geburtstag konnte er die ersten Runden damit drehen. Es war eine Wonne, seine lebensfrohen Augen leuchten zu sehen!

 „Angelika“
Kurz nach der Fertigstellung unseres Jahresbericht 1998 erreichte uns ein Anruf von einer Mutter, deren 12jährige Tochter blind, stumm und entwicklungsgestört ist. Angelika verbringt die meiste Zeit Ihres Lebens im Rollstuhl, dabei hört sie gerne Musik – besonders die von Rolf Zuckowski.

Für Angelika wäre der Besuch eines Kinder-Konzertes ein großer Traum gewesen – und STERN-TALER nahm mit Rolf Zuckowski Kontakt auf. Dieser war sehr berührt von der Idee, Angelika kostenfrei an einem seiner Konzerte teilnehmen zu lassen und spendierte zwei Freikarten für das Mädchen und ihre Mutter.

Leider verschlechterte sich Angelikas Gesundheitszustand in den Tagen vor dem Konzert so sehr, daß sie leider nicht an dem Auftritt teilnehmen konnte.

Was haben wir mit STERN-TALER noch erlebt?

Eine große Freude bereitet uns nicht nur die Erfüllung der Herzenswünsche – auch der große Zuspruch, den wir von anderen Menschen außerhalb des Vereins für unsere Aktivitäten bekommen, berührt uns sehr.

Um Sie auch an dieser Freude teilhaben zu lassen, berichten wir Ihnen von zwei Beispielen, die exemplarisch für alle die stehen, die uns neben den zahlreichen Spendern in den letzten zwei Jahren durch Ihr Engagement unterstützt haben.

Spargelhof Beeck in Hamberge
Frau Beeck wurde ebenfalls durch den o.g. Fernsehbericht auf STERN-TALER aufmerksam und sprach uns im April telefonisch an. Sie wollte zunächst mehr über unsere Aktivitäten erfahren und erhielt unseren Jahresbericht 1998. Einige Tage später lud uns Frau Beeck zu ihrem Spargelfest im Mai ein, auf dem Sie zugunsten von STERN-TALER eine Tombola für ihre Gäste veranstalten wollte.

Die Tombola war ein voller Erfolg, gleichzeitig hatten wir die Gelegenheit, uns durch Prospekte und viele freundliche Gespräche in Norddeutschland noch bekannter zu machen.

Frau Beeck spendete den Erlös der Tombola unserem Verein und rundete den Betrag aus eigener Kasse auf.

Herzlichen Dank!!!

Kinderschwestern Station 6 des Wilhelmstift
Unserer traurigster Hilfefall – der Schildkrötenwunsch der kleinen Urthe – intensivierte den Kontakt mit den Kinderschwestern der Station 6 des Kinderkrankenhauses. Wir erfuhren einen spontanen, herzlichen Zuspruch für unsere Aktivitäten, indem sich die Schwestern durch einen Brief persönlich für unseren Hilfeeinsatz bedankten und dem Verein aus eigener Tasche eine Spende zukommen ließen. Bitte lesen Sie dazu auch den Brief in der Anlage!
Vielen Herzlichen Dank!

Was plant STERN-TALER für 2000?

Wir wünschen uns, noch vielen weiteren Kindern auf diese Art helfen zu können.

Besonders würden wir uns über eine noch intensivere Kommunikation zwischen den Kontaktpersonen in den Instituten sowie privaten Vermittlern freuen, denn nur darüber können wir die Kinder-Wünsche erfüllen.

Im Kinderkrankenhaus Wilhelmstift findet am 17. Juni 2000 ein Fest zum 75-jährigen Jubiläum statt. Wir sind eingeladen, STERN-TALER an diesem Tag mit einem Stand zu präsentieren. Vielleicht haben Sie Lust, uns bei dieser tollen Gelegenheit zu besuchen und uns bei der Präsentation unseres Vereins zu unterstützen? Wir würden uns über Ihr Kommen sehr freuen!

Um den nachbarschaftlichen Kontakt zu intensivieren, planen wir, uns bei dem „Kreis Kinderärzte Stormarn“ vorzustellen. Wir wollen darüber auch in der direkten Umgebung noch mehr Hilfe leisten.

Schlußwort

Liebe Leserin, lieber Leser!

Wir haben festgestellt, dass wir das Pflegepersonal und die Ärzte in den Häusern sehr schnell und positiv begeistern können. Leider scheitert jedoch oftmals die Realisierung der Wunsch-Vermittlung an der Arbeitsüberlastung unserer Kontaktpersonen.

Um den Schwestern und Ärzten die Arbeit zu erleichtern, haben wir einen Fax-Bogen entworfen (siehe STERN-TALER-Kind Blatt Anlage 4), der eine schnelle Übermittlung von Informationen über das Kind und seinen Wunsch ermöglicht. Wir haben diesen Bogen vielfältig auf den Stationen verteilt.

Auch Sie haben die Möglichkeit, uns z.B. auf diese Weise auf ein Kind aufmerksam zu machen.  Vielleicht kann damit auch ein hilfebedürftiges Kind in Ihrem Umfeld ein bisschen Sonne im Alltag verspüren, so wie es Urthe mit den Schildkröten, Sascha mit der E-Gitarre und die anderen STERN-TALER-Kinder erfahren haben.

Im letzten Jahr sind wir wieder reich mit den glänzenden Kinderaugen beschenkt worden. Aus dieser Energiequelle schöpfen wir unsere Motivation und unser Engagement, um die Arbeit mit den STERN-TALER-Kindern auszubauen.

Das alles ist nur möglich, weil SIE, liebe Leserin und lieber Leser, uns durch Ihre großzügigen Geldspenden helfen und tatkräftig unterstützen.

Wir danken Ihnen herzlich dafür, dass Sie uns in Ihrem Familien- und Freundeskreis publik gemacht haben und hoffen, dass Sie auch im Jahr 2000 weiterhin zu uns halten.

Ihr STERN-TALER Team

Susanne, Charlotte, Heidi, Kathrin

 

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